Neuigkeiten

1. März

Deine Kohle für mehr Nachhaltigkeit

Wir von der Mensch*Meierei haben es uns zur Aufgabe gemacht, alternatives Wirtschaften und nachhaltiges Wohnen miteinander zu verbinden. Um unseren 200 Jahre alten Bauernhof zu beheizen, können wir mit eurer Unterstützung den Kauf einer Holzvergaserheizung finanzieren.

Mehr Infos inklusive Video findet ihr hier.

 


10. März

Ende der Lastwagenplage

Eigentlich ist es gar nicht so schwer, den Schwerlastverkehr aus Unterrieden zu verbannen. Es braucht nur zwei Verkehrsschilder an den Dorfeingängen, auf denen „Durchfahrtverbot für Lkw über 3,5 Tonnen“ mit dem Zusatz „Anlieger frei“ steht. Auch für ortsfremde Lastwagenfahrer ist es kein Spaß, sich durch die enge Ludwigsteinstraße zu schieben, wie es vermutlich ihre Navis tagein, tagaus angezeigt haben. Viel einfacher ist es, auf den Bundesstraßen zu bleiben, die das Dorf tangieren.

Lange hat es gedauert. Mit einer Unterschriftensammlung haben wir versucht, Druck aufzubauen. Aber der Witzenhäuser Bürgermeister Daniel Herz sah sich erst nicht dazu befugt, die entsprechenden Verkehrsschilder aufzustellen. Er brauchte erst ein Signal vom Landkreis, das gab ihm zu verstehen, dass niemand anders als er dafür zuständig ist. Nun ist es soweit. Die Schilder kommen, und die Laster werden schon bald nicht mehr durchs Dorf brettern.

 


Kommuja-Netzwerk lädt ein

In diesem Jahr wird es wieder ein „Los gehts“ geben. Das Treffen findet vom 28. Mai bis 1. Juni bei der Freien Feldlage in Harzgerode statt. Es wird etwa alle zwei Jahre von dem Kommuja-Netzwerk der politischen Kommunen organisiert und ist für Leute, die Interesse am Kommuneleben haben – Menschen, die auf der Suche nach einer für sie passenden Gemeinschaft sind oder aber selbst eine Gruppe gründen wollen und dafür noch weitere Leute brauchen.

Ein Organisationsteam stellt den Rahmen zur Verfügung: einen Zeltplatz, Verpflegung und sanitäre Anlagen für rund 300 Leute sowie Workshops übers gemeinschaftliche Leben. Für den Inhalt des Treffens sind die Teilnehmenden aber auch selbst zuständig. Schließlich geht es darum, dass Menschen andere Menschen finden, mit denen sie sich zusammen auf den Weg machen können. Es soll halt losgehen! Weitere Infos findet ihr hier.

 

Zeltwiese beim Olgashof

Überhaupt war es ermutigend, zu sehen, wie viele Menschen völlig unterschiedlichen Alters sich für Lebensformen interessieren, die weder Singlehaushalt oder Kleinfamilie entsprechen und über Wohn- oder Hausgemeinschaft hinausgehen.

Jens Gantzel in seinem Blog Wünschen.Wollen.Tun über das „Los geht‘s“-Treffen 2015 beim Olgashof, Mecklenburg-Vorpommern

 


24. Januar

Planung fürs Logistikgebiet gestoppt

Wer hätte das gedacht. Der beständige Protest gegen das in der Nachbargemeinde Neu-Eichenberg geplante XXL-Logistikgebiet zeigt Wirkung. Die Planungen für das Vorhaben wurden überraschend für ein halbes Jahr ausgesetzt. Dazu twitterte die Bürgerinitiative „Für ein lebenswertes Neu-Eichenberg“:

Der Einstieg in den Ausstieg ist geschafft! Mit 8:7 hat sich gestern das Gemeindeparlament für ein mind. 6-monatiges Moratorium entschieden, in dem Alternativen zum Logistikgebiet ausgelotet werden. Vorgeschlagen ist ein runder Tisch mit Beteiligung der Bevölkerung. Yeah!

 

„Eine andere Welt ist nicht nur möglich,
sie ist schon im Entstehen. An einem
ruhigen Tag kann ich sie atmen hören.“

Arundhati Roy

 


20. Januar

Die unmenschlichen Auswüchse der Asylbehörden

Eine lesenswerte Reportage von Jonas Seufert in der „Taz“ über das Asylbewerberleistungsgesetz und seiner Anwendung im Werra-Meißner-Kreis. Die Ämter haben dabei Spielräume, die sie nutzen. Die Auswirkungen für die Geflüchteten sind bisweilen unmenschlich. So der geschilderte Fall von Mahlet Dawit:

Vor fünf Jahren stritt die Geduldete schon mal ein knappes Jahr lang mit dem Amt: Es ging um ungefähr 80 Euro. Dawit wohnte damals in einem Heim auf dem Land mit schlechter Busanbindung. Wenn der Bus nicht fuhr, musste sie laufen. 30 Minuten zur Arbeit, 30 Minuten zurück. Weil Dawit eine Fehlstellung am Fuß hat, lief sie wochenlang unter Schmerzen – bis ein Arzt Einlagen empfahl. Das Amt sagte Nein. Dawit solle lieber häufiger barfuß laufen, das stärke die Fußmuskeln. So steht es im Ablehnungsbescheid. Erst als ein Gericht eingeschaltet wurde, lenkte das Amt ein.

Der Witzenhäuser Siegfried Asselmeyer engagiert sich ehrenamtlich für Geflüchtete. Er kennt viele Fälle, in denen Geflüchtete ungerecht behandelt werden. Sie nähmen nur ein gutes Ende, sagt er, weil sich Menschen über Monate hinweg für die Asylbewerber*innen einsetzten … Den ganzen Text könnt ihr hier lesen.

 


Wir suchen Unterstützer*innen

Zwar wirtschaften wir nach einem soliden Finanzplan, was uns zuversichtlich stimmt. Aber durch die umfangreiche Fachwerksanierung und die unerwarteten Schwierigkeiten beim Stallausbau steigen die Kosten, so dass wir wohl noch einen neuen Bankkredit aufnehmen müssen. Um jedoch die Summe möglichst gering zu halten, suchen wir weiterhin solidarische Menschen, die uns mit einem Direktkredit unterstützen. Nähere Infos dazu findet Ihr hier.

 


4. Januar

Was Geld mit uns macht

 

Ende des Jahres kam Frank mit seinem Filmteam vom Bayerischen Rundfunk zu uns, um eine Folge für seinen YouTube-Kanal „Die Frage“ zu drehen. Das Thema war: „Was macht Geld mit uns?“. Der Beitrag ist der Abschluss einer Serie, in der unser Modell der Gemeinsamen Ökonomie in einer Reihe mit dem Porträt einer Poker-Spielerin, eines Jung-Millionärs und einer Obdachlosen steht. Ihr könnt ihn euch hier anschauen.

Frank fragte mehrmals nach, ob sich Leistung nicht auch lohnen müsse. Wir aber fragen uns, was wir für ein gutes Leben brauchen. Viel Geld hat dabei keine sonderliche Priorität; eine funktionierende Gemeinschaft aber schon. Nicht zuletzt, weil wir davon überzeugt sind, dass wir zusammen mehr erreichen können als alleine. Und der Aufbau unseres Projekts zeigt uns: Es klappt! Wir können im Hier und Jetzt Alternativen zur neoliberalen Ordnung aufbauen, die sozialer sind und die wir ökologisch vertreten können. Wir verabschieden uns von alten Mustern und schaffen neue Lebensentwürfe, in denen wir uns nicht länger nach dem bewerten, was wir haben oder können, sondern uns akzeptieren, wie wir sind.

“Nicht Arm und Reich säßen am ungleich gedeckten Tisch, sondern Ungleiche säßen an gedeckten Tischen“, umreißt das Kommuja-Netzwerk im Kommunebuch von 2014 eine Utopie, die auch wir erstrebenswert finden. „Und in der Ungleichheit würden die Menschen die Potenziale erkennen, die andere haben und ihre eigenen anbieten. Doch nicht, um zu konkurrieren, sondern um zu kooperieren.”

 


3. Dezember

Wandel im Kleinen

 

Sie nennen es Finanzkooperative. Sieben nicht verwandte Menschen teilen sich ein Konto, haben sieben Girokarten und zahlen alles, was sie verdienen, auf ebendieses Konto ein. Hervorgegangen ist dieses Experiment aus einer Wohngemeinschaft in Göttingen Ende der 1990er Jahre. Die WG gibt es schon lange nicht mehr, die Kooperative aber schon. Ihre Mitglieder leben heute über Deutschland verstreut in verschiedenen Städten, haben zum Teil Kinder, sind zum Beispiel Ärztinnen, Journalistinnen oder Bioladen-Betreiber. Ihre Erfahrungen und Erlebnisse haben sie aufgeschrieben und veröffentlicht. Mit dem Buch „Finanzcoop oder Revolution in Zeitlupe – von Menschen, die ihr Geld miteinander teilen“ ziehen sie eine Zwischenbilanz über ihr auf Lebenszeit angelegtes Modell und geben Einblicke, was ihre Solidargemeinschaft, die quer zu Familie und Staat steht, bedeutet. Auch wir in den politischen Kommunen leben eine Finanzcoop und sagen Gemeinsame Ökonomie dazu.

„Das Gemeinsame hat ihnen (…) gezeigt, dass es sehr wohl möglich ist, wenigstens aus dem eingepflanzten Konkurrenz- und Konsumdenken des radikalen Marktes auszusteigen und den finanziell Schwächeren in der Gruppe dabei zu helfen, ihre Vorstellungen von einem selbstbestimmten Leben zu verwirklichen. Genau das, was unsere neoliberal aufgeheizte Gesellschaft ja nicht mehr leistet“, schreibt Ralf Julke über das Buch in der „Leipziger Internet Zeitung“.

»In der Theorie wären viele kleine Finanzkooperationen denkbar, als eine Art bedingungsloses Grundeinkommen nur ohne staatliche Finanzierung«, erklärt Jan, einer der Teilnehmenden der Finanzcoop. „Spannend zu philosophieren, was das mit unserer Gesellschaft machen würde!“, resümiert Michael Rebmann in seiner Rezension auf dem Blog „Die Farbe des Geldes“.

FC-Kollektiv, Paula Bulling, Bini Adamczak: „Finanzcoop oder Revolution in Zeitlupe. Von Menschen, die ihr Geld miteinander teilen“, Büchner Verlag, Marburg 2019, 190 Seiten.

 


25. November

Widerstand überwintert

 

Die Besetzer*innen vom Acker in Neu-Eichenberg rüsten sich gerade für den Winter. Das Camp ist in den vergangenen Monaten zum zentralen Ort des Protestes gegen das geplante Logistikgebiet am Dorfrand von Hebenshausen geworden. Die Gemeinde und das Land Hessen erwägen dort, eine Fläche von 80 Hektar zu verkaufen, damit dort Hallen für Online- und Versandthändler entschehen können. Ende August teilte die Dietz AG als mögliche Investorin der Gemeinde mit, kein Interesse mehr an dem Gelände zu haben. In einem Brief vom 28. August heißt es:

»Maßnahmen der Verfahrensgegner haben dazu beigetragen, dass der Standort für den potenziellen Nutzerkreis – um es positiv zu formulieren – enorm an Attraktivität eingebüßt hat.«

Doch damit ist das Vorhaben leider noch nicht vom Tisch. Um das Protestcamp auch im Winter  zu erhalten, werden feste Behausungen benötigt – also Bau- oder Wohnwagen, die beheizt werden können – vielleicht als Leihgabe über den Winter, vielleicht aber auch günstig abzugeben. Hinweise oder Angebote an: bauwagen@mailbox.org

 


21. November

Der Hof wird belebter

 

 

Der Walnussbaum im Hof hat seine Nüsse abgeworfen. In diesem Jahr waren es nicht so viele wie im vergangenen, als wir einen ganzen großen Sack den Besetzer*innen vom Acker vorbeigebracht haben. Für uns war es viel zu viel. Aber da haben auf dem Gelände auch nur wenige gelebt. Das hat sich inzwischen geändert. Das Fachwerkhaus an der Straße ist komplett bezogen. Obwohl noch ein paar letzte Arbeiten anstehen – die Flure und Treppen sind noch nicht fertig, und von außen sind die Gefache noch nicht verputzt. Aber das Baustellenflair bleibt uns ohnehin noch eine Weile erhalten. Es gibt ja noch den Ausbau des Stalls, wo wir aber langsam zum Innenausbau übergehen. Die Fenster sind pünktlich zur kalten Zeit eingebaut, so dass es mit dem Innenausbau bald losgehen kann.

 


13. November

Lastwagenplage

 

Es ist ja nur eine kleine Dorfstraße, an der unser Hof liegt. Doch von Lastwagenfahrern rege genutzt, weil es eine Abkürzung ist, wenn sie von Hann. Münden kommend nach Eschwege fahren. Vermutlich wird ihr Navi ihnen die Route anzeigen. Würden sie nämlich die schmale Straße kennen, durch die sich ihr 40-Tonner schiebt, nähmen sie gewiss den Weg über die Bundesstraße. Die Ersparnis ist nur minimal, und der Weg durch die schmale Straße alles andere als ein Genuss. Nun fahren am Tag nicht nur drei oder vier Lastwagen die Ludwigsteinstraße entlang, sondern rund zwei Dutzend oder noch mehr, wie eine Messung der landeseigenen Firma „Hessen Mobil“ ergeben hat.

Für uns Anwohner*innen ist das natürlich problematisch. Kürzlich berichtete die HNA darüber und titelte: „Muss erst ein Kind sterben?“. Die Gemeinde hat die Gefährdung zwar erkannt, aber beim Kreis bislang keine Unterstützung erfahren, ortsfremden Schwerlastverkehr nicht durchzulassen. Eine Behörde sticht die andere also aus. Ausgang ungewiss.

 


22. September

Witzenhausen desolat

 

In der Ermschwerder Straße 22 und 24 in Witzenhausen haben sich Mieter zusammengeschlossen, weil ihre Wohnungen in einem unhaltbaren Zustand sind. Der Vermieter kümmert sich nicht darum, die zahlreichen Mängel zu beseitigen – das Dach ist etwa undicht, die Heizung lässt sich oft nicht regulieren, manchmal geht wochenlang kein Warmwasser. Stattdessen fordert er noch mehr Miete. Jetzt haben zwei WGs und zwei Familien den Konflikt öffentlich gemacht. Und sie scheinen nicht die einzigen zu sein: Auf einer Papptafel, das die Bewohner*innen an der Straße angebracht haben, gab es zahlreiche Kommentare über Probleme mit Wohnungen und Vermieter*innen.

 


Lebensbogen sucht Mithilfe

„Fühl mal Kommune, gemeinsame Ökonomie, Konsens, intensive Zeiten des Miteinanders und persönliches Wachstum.“

Die Gemeinschaft Lebensbogen am Dörnberg in der Nähe von Kassel sucht Unterstützung für ihre Kollektivbetriebe und bietet Kost und Logis. Auf dem weitläufigen Gelände gibt es ein Tagungshaus, eine Gewerbeküche und das Café Helfensteine. Geeignet ist das Angebot für Leute, die das Kommuneleben kennenlernen und mindestens drei Wochen bleiben wollen.

Eingangsgebäude der Gemeinschaft an den Helfensteinen in Zierenberg

 


30. August

Leben im freien Fluss

 

Regine Beyß, Kommunardin der   Kasseler Villa Locumuna, schreibt in der Monatszeitschrift Oxi über eine Grundvoraussetzung, unter der wir uns zusammengeschlossen haben.

„Wer wenig verdient oder besitzt, hat den gleichen Zugang zu Ressourcen wie die, die viel verdienen oder besitzen. Alles allen! Die Erfüllung unserer Bedürfnisse ist nicht mehr davon abhängig, ob wir eine bestimmte Gegenleistung erbringen.“

Wir legen in den Kommunen die Einkommen zusammen und wirtschaften gemeinsam. Wir versuchen, so „das Wirtschaftssystem im Kleinen auszuhebeln“. Es ist unsere Idee einer realen Utopie inmitten einer Welt voller Ungerechtigkeiten, in der nur wenige Menschen über so viel Geld und Ressourcen verfügen wie Milliarden andere zusammen. Doch es ist ein Ansatz, der – konsequent weiter gedacht – auf eine Kritik der gesamten Tauschlogik stößt, die eine der Grundlagen des Kapitalismus darstellt.

„Wieso muss ich überhaupt irgendeine Gegenleistung erbringen, wenn ich etwas essen will?“, fragt Regine. „Wieso kostet es mich Geld, wenn ich mich waschen oder zur Toilette gehen will? Wieso bezahle ich dafür, wenn mir jemand die Haare schneidet? Es wäre doch genauso gut vorstellbar, dass wir uns als Gemeinschaft zusammentun und gemeinsam dafür sorgen, dass unsere Bedürfnisse erfüllt werden, ohne Äquivalente tauschen.“

„Waren und Dienstleistungen verlieren dann zwar ihren ‚Tauschwert‘, aber nicht ihren Wert“, schreibt Regine. „Sie sind für mich immer noch wertvoll, weil ich sie brauche und weil ich sehe, dass andere Menschen sie mir zur Verfügung stellen. Statt Tätigkeiten und Gegenstände miteinander zu verrechnen, fließt alles in die Gemeinschaft. Das sichert uns ab – was uns wiederum in die Lage versetzt, unseren Teil beizutragen, z.B. als Gärtnerin, Wassermonteurin oder Friseur.“

In den Interkomm-Regionen im Wendland und der Region Kassel wird ein solcher freier Fluss schon gelebt. Gerade haben wir gratis Fahrräder aus Niederkaufungen bekommen, die dort nicht mehr in Benutzung sind. Ende September findet auch die gemeinsame Kartoffelernte auf dem Interkomm-Acker in Kaufungen statt, und auch Apfelsaft wird untereinander verteilt, ohne diesen zu berechnen. Es wird beraten, ohne Honorare in Rechnung zu stellen.

Auch die Besetzer*innen vom Acker in Eichenberg, mit denen sich einige von uns verbunden fühlen, leben dieses freie Geben und Nehmen, sie haben im Frühjahr überschüssige Jungpflanzen von einigen Gärtnereien geschenkt bekommen und diese angebaut. Jetzt ernten sie im Überfluss und haben das Gemüse auf dem Marktplatz in Witzenhausen verteilt. Sie erhalten wiederum von den Anwohner*innen in Neu-Eichenberg vieles, was sie auf dem Camp gebrauchen können, oftmals in Dankbarkeit, dass sie Protest gegen das völlig irrsinnige Riesen-Logistikgebiet täglich leben.

Regine beschreibt, wie unkompliziert ein solcher Fluss sein kann. Sie schränkt aber auch ein: „Das funktioniert aber nur, wenn ich mich gut versorgt fühle. Wenn ich Angst habe, dass meine Vorräte nicht reichen oder irgendeine externe Rechnung nicht bezahlt werden kann, wird es mitunter eng. Dann kann ich nicht einfach geben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Außerdem braucht es wohl immer ein gewisses Gefühl von Gerechtigkeit. Ich will nicht dauerhaft mehr geben als andere, es sollte sich ausgeglichen oder zumindest sinnvoll anfühlen.“

Wenn dieser Fluss nicht nur im kleinen Stil quasi symbolisch geschieht, sondern eine verlässliche Versorgungsstruktur erreicht, dann braucht es viel  Vertrauen dafür. Wenn das nicht vorhanden ist, klappt unsere Art zu leben nicht. Doch wir sind zuversichtlich. Für uns fühlt sich der freie Fluss gut an. Er bringt uns zusammen mit anderen solidarischen Menschen, wir unterstützen uns gegenseitig und das verschafft uns Möglichkeiten, von denen wir sonst nur träumen würden.

 


23. August

Der tägliche Aufstand

 

Auf dem besetzten Acker in Neu-Eichenberg finden jetzt regelmäßig kulturelle und politische Veranstaltungen statt. Am Samstag und Sonntag kommen Aktivist*innen der Kampagne „Make Rojava Green Again“. Am Dienstag macht das fahrende Kino Anda halt und zeigt den Dokumentarfilm „Parchim International“ – er handelt von der wahnsinnigen Idee des chinesischen Geschäftsmannes Jonathan Pang, die mecklenburgische Kleinstadt Parchim zu einem internationalen Drehkreuz des Luftverkehrs zu machen.

Mehr Infos erfahrt ihr über den Twitter-Account der Aktionsgruppe „Acker bleibt!“

In Neu-Eichenberg soll auf einer Fläche von mehr als 80 Hektar ein Logistikgebiet entstehen. Dagegen hat sich Protest formiert, der eine Beibehaltung dieser überaus fruchtbaren Flächen als Ackerland verlangt. Jüngst haben auch Lehrende und Forschende des Fachbereichs Ökologische Agrarwissenschaften der Uni Kassel an die Gemeindevertreter*innen von Neu-Eichenberg appelliert, den Acker nicht aufzugeben:

Wir, die Unterzeichner*innen dieser Stellungnahme, fordern Sie als Gemeindevertreterinnen und -vertreter von Neu-Eichenberg daher auf, sich für den Erhalt der 80 ha fruchtbaren Ackerlands einzusetzen und damit die Ökomodellregion Nordhessen zu stärken!

 


16. August

Auf dem Wegweiser verewigt

 

Wir stehen jetzt auch auf dem Wegweiser der Kommune Niederkaufungen, zusammen mit den anderen Interkomm-Gemeinschaften. Die Gemeinschaft am östlichen Kasseler Stadtrand ist mit rund 80 Bewohner*innen die größte Kommune in der Region. Sie gibt es bereits seit 1986 und versteht sich als lebendiges Experiment eines alternativen Lebensstils – wie wir auch. Uns verbindet, dass auch wir ohne Hierarchien solidarischer und ökologisch nachhaltiger miteinander leben und arbeiten wollen.

Am Rande der Kasseler Innenstadt am Tannenwäldchen liegt die Villa Locumuna, in der rund 30 Leute leben. Die Gastwerke dagegen haben ihr Gelände weit draußen direkt am Kaufunger Wald auf einer ehemaligen Forstversuchsanstalt. Hohe Mammutbäume säumen das Areal. “Wir möchten sein einzeln und frei wie ein Baum und brüderlich wie ein Wald”, schrieb der türkische Dichter Nâzım Hikmet. Das ist der Leitspruch der Gemeinschaft, die zurzeit 22 Erwachsene und 13 Kinder umfasst. Von Witzenhausen aus führt eine kleine kurvige Landstraße mit vielen Anstiegen und Gefällen rund zwölf Kilometer durch den Wald dorthin.

Der Lossehof dagegen ist nur wenige Kilometer von Niederkaufungen entfernt am Ortsrand von Oberkaufungen gelegen. Aktuell leben dort 14 Erwachsene. Es ist ein wunderschöner renovierter Bauernhof mit großem Garten direkt am Flüsschen Losse.

Der Lebensbogen befindet sich rund 20 Bahnminuten westlich von Kassel in Zierenberg. Die Gemeinschaft umfasst rund 20 Menschen. Das Gelände des Lebensbogens ist eine ehemalige Jugendbildungsstätte auf dem Dörnberg. Die Kommune betreibt dort ein Tagungshaus und ein Ausflugscafé. Die Aussicht von den Helfensteinen, die direkt gegenüber des Geländes liegen, auf den Habichtswald ist sehr besonders.

 


22. Juli

Beim Ruf des Falken

 

Unsere Turmfalken haben Nachwuchs bekommen. Die beiden Jungen sind gerade flügge geworden, anfangs wurden sie von ihren Eltern mit Mäusen noch aus dem Nest gelockt, doch ihr Radius ist schnell größer geworden. Ihr markantes Rufen begleitet uns nun schon eine ganze Weile. „Ti, ti, ti, ti“. Von überall her scheinen die Mäuse zu kommen. An der Südwand der Scheune stehen auch unsere Tomatenpflanzen. Niemand hatte die Falken eingeplant. Jetzt haben die Jungtiere auf die Pflanzen gekackt. Aber was soll’s. Wir haben das seltene Glück, mehr Falken als Hühner in der Meierei zu haben.

 


12. Juli

Hilfe, unser Dorfladen macht dicht!

Wir sind alle überrascht, dass unser Dorfladen nur ein paar Häuser von der Meierei entfernt zum Ende des Monats schließt. Im Januar noch haben wir Ute und Ernst Swetlik, die über Jahrzehnte den Laden geführt haben, in den Ruhestand verabschiedet. Das halbe Dorf stand vor dem Laden, die Feuerwehr warf den Grill an, wir sangen und stießen auf Ernst und Ute an … Theresa Bernhardt hat den Laden übernommen und gibt ihn jetzt leider auf. Natürlich bedauern wir das und hoffen, dass vielleicht doch noch ein Wunder geschieht und uns der Dorfladen erhalten bleibt.

Im Januar verabschiedeten wir Ute und Ernst Swetlik am Dorfladen.

 


11. Juli

Einzug ins Wohnhaus

 

Ein Etappenziel haben wir fast  erreicht – das Wohnhaus ist bald fertig. Die Räume unterm Dach sind schon bewohnt. Ilan machte Luftsprünge, als er sein neues Kinderzimmer sah. In der Küche und im Bad sind die Bauarbeiten in den letzten Zügen.

Unsere Lokalzeitung, die Hessisch Niedersächsische Allgemeine, hat über uns berichtet. Wir trafen uns mit der Reporterin Nicole Demmer im Garten und sprachen mit ihr über unser Bauprojekt und den Sinn einer Kommune – dass wir nämlich glauben, gemeinsam und solidarisch mehr zu erreichen, als alleine … Am 9. Juli ist der Beitrag erschienen.

 


1. Juli

„Ich will nicht mehr besitzen, als in den Wohnwagen passt“

Farina Regn lebt seit zweieinhalb Jahren in einer Kommune in der Nähe von Kassel, mit der auch wir im Interkomm-Netzwerk verbunden sind. Das Wohnhaus ist gerade fertig renoviert, doch sie zieht es vor, im Wohnwagen zu leben, weil sie gerne draußen im Garten ist – außerdem will sie reduziert leben und nur wenige Dinge um sich herum anhäufen. In einem Interview mit dem Neuen Deutschland erklärt sie, warum sie sich für ein Leben in einer Gemeinschaft entschieden hat:

Ich kann hier im Vergleich zu vielen anderen Wohn- und Lebensformen viel mehr meine individuellen Träume verwirklichen, kann hier im Garten alles mit mitgestalten und mich auch künstlerisch ausleben – das könnte ich in einem handtuchbreiten Streifen vor einem Reihenhaus nicht. Dazu kommt, dass ich mir manchmal Projekte vornehme, die ich gar nicht alleine umsetzen kann. Das muss ich mit Menschen zusammen machen. Ich möchte und kann nicht ohne Menschen leben, brauche aber auch ganz klar meinen Rückzugsraum – hier funktioniert das für mich gut.

Für Farina war es auch eine politische Entscheidung, sich einer Gemeinschaft anzuschließen. In dem Gespräch schildert sie aber auch ihre Zweifel, ob das Kommuneleben vielleicht gar nicht so wirkungsvoll ist, wie sie dachte:

Bringt es das wirklich, wenn wir zusammen gemeinsame Ökonomie machen? Ich bin zwar der festen Überzeugung, dass es dringend Umverteilung braucht, aber ich weiß nicht, ob wir diesen Prozess unterstützen, wenn wir, die wir alle aus einem ähnlichen Milieu kommen, miteinander Geld teilen. Auf der anderen Seite leben wir einen deutlich konsumreduzierten Lifestyle. Wir teilen nicht nur das Geld, sondern auch Autos, Haushaltsgeräte, Camping-Equipment und vieles mehr.

 


25. Juni

Umwidmung

 

 

Noch gibt es die Blicke von drinnen nach draußen durch die kleinen Fensteröffnungen, die so prägend für den Stall in der Meierei sind. Doch mehr und mehr verliert das langgezogene Steingebäude sein altes Gesicht. Nur noch wenig erinnert mittlerweile daran, dass dort einmal Kühe und Schweine gehalten wurden. Manchmal lässt sich sogar schon die neue Bestimmung erahnen: Es soll das Herzstück unseres Projekts werden. Im Erdgeschoss entsteht eine große Küche mit angrenzendem Gemeinschaftsraum, im Obergeschoss schaffen wir Wohnraum.

Die Abrissarbeiten verliefen im Frühjahr zügig. Mit einem Minibagger hoben wir den alten Boden heraus, um neuen Estrich gießen zu können. Auch die Innenwände stehen schon, sie sind mit großen Tonziegeln gemauert. Das marode Dach, das uns große Sorgen bereitete, haben unsere Handwerker*innen inzwischen mit neuen Balken verstärkt.

Manchmal sieht der alte Stall fast wie ein Neubau aus. Und es riecht dort auch nach Baustelle und nicht mehr nach Bauernhof.

 

 


8. Juli

Interkomm-Treffen im Café Kurbad

 

Einmal im Monat treffen wir uns mit Leuten aus den anderen Kommunen in der Region Kassel – um Neuigkeiten auszutauschen und um unser Interkomm-Netzwerk zu beleben. Bislang fanden die Interkomm-Treffen immer in den einzelnen Gemeinschaften statt. Nun aber kommen wir alle zwei Monate auch im Café Kurbad in Kassel zusammen. Wir probieren einen neuen Rahmen aus, die Treffen sollen freier sein als ein Plenum.

Ansätze für gemeinsame Interkomm-Projekte gibt es schon einige: So bauen wir etwa gemeinsam Kartoffeln an, backen über die Kommunegrenzen hinweg Brot und pressen zusammen Apfelsaft. Durchlässiger sollen die Grenzen der Gemeinschaften werden. Ziel ist es, noch mehr in den freien Fluss zu kommen, ohne strikte Regeln fürs Geben und Nehmen.

 


Neu-Eichenberg bleibt Neu-Eichenberg!

 

 

Wie wichtig es ist, Äcker mit guten Böden zu erhalten, hat uns die Trockenheit im vergangenen Jahr gezeigt. Aufgrund der Dürre in Europa ist der weltweite Weizenertrag um 30 Millionen Tonnen eingebrochen. Auch die Maisernte ist deutlich schlechter ausgefallen.

Die Bilanz ist verheerend: Sowohl die UN-Landwirtschaftsorganisation FAO als auch als auch der Internationale Getreiderat gehen davon aus, dass im laufenden Agrarjahr 2018/19 der weltweite Getreideertrag den Verbrauch nicht mehr decken kann.

Noch können die gefüllten Speicher die Defizite ausgleichen, und die Preise bleiben stabil. Allerdings ist es schon das zweite Mal in diesem Jahrzehnt, dass die Ernten nicht ausreichen. Auch im Agrarjahr 2012/13 gab es globale Defizite, weil US-Farmer unter einer mehrjährigen Dürre litten.

Die Domäne in unserer Nachbargemeinde Neu-Eichenberg, auf der das Sondergebiet Logistik gebaut werden soll, hat eine außerordentliche Qualität. Solche Böden werden für die Landwirtschaft künftig gebraucht. Sie mit Lagerhallen zu überbauen und damit zu zerstören, wäre ein Raubbau, der mit einer behutsamen wirtschaftlichen Entwicklung nichts zu tun hat.

 

 


23. April

Falken in der Scheune

 

 

Schon im vergangenen Jahr hatten wir zwei Turmfalken in Unterrieden. Oft hörten wir sie und sahen ihrem Treiben über den Dächern zu. Im Winter waren sie verschwunden. Jetzt sind wieder zwei Tiere aufgetaucht und haben sich im Nistkasten unserer Scheune niedergelassen – was wir insgeheim auch gehofft haben.

 


11. April

Überraschungen im Stall

 

 

Mittlerweile haben wir mit dem zweiten Bauabschnitt auf dem Hof begonnen, dem Ausbau des ehemaligen Stalls. Im Erdgeschoss sollen dort unsere Gemeinschaftsräume und Büros hinkommen, im Obergeschoss Wohnräume. Es ist eigentlich ein solider Bau aus den 50er Jahren. Dachten wir zumindest. Doch der Schein trügt. Wäre der Stall ein einfacher Küchenschrank, er würde wohl auf den Sperrmüll landen. Wir haben lange überlegt, ob wir das ganze Dach abnehmen und erneuern müssen. Letztlich haben wir uns dagegen entschieden und versuchen nun eine behutsame Sanierung. Das Problem ist die Dämmung aus Plastik und Styropor, die wir in der Holzdecke fanden. Das Material hat die Feuchtigkeit nicht durchgelassen; die Konstruktion ist dadurch marode geworden. Fast alle tragenden Balken in der Decke müssen nun ausgetauscht werden.

 


27. März

Filmteam auf dem Hof

 

 

„Alte Orte – neues Leben“ ist ein Film übers Bewahren alter Gebäude und eine Doku übers Landleben. Er zeigt die Arbeit des Witzenhäuser Vereins Bau- und Wohnkultur, der sich mit viel Elan um den Erhalt und die Renovierung alter Häuser kümmert. Auch wir haben von ihm viel Unterstützung bekommen, als wir vor zwei Jahren auf der Suche nach einem Haus für unsere Gemeinschaft waren.

Der Film lief gerade im Hessischen Rundfunk. Wir kommen darin nur am Rande vor. Das Drehteam besuchte uns im Herbst, als der Verein eine Fachwerk-Sprechstunde auf der Baustelle durchführte. Bemerkenswert ist das, was der Lehmbauexperte Dieter Brauch am Rande der Sprechstunde über jene sagte, die alte Fachwerkhäuser als Geldanlage betrachten, die denken, sie könnten Frankfurter Immobilienpreise in Witzenhausen generieren: „Die machen 30 Jahre nichts an ihrem Haus. Jedes Jahr wird aber das Auto in die Werkstatt gebracht – zur Wartung. Aber das Haus wurde nicht gewartet. Und dann wollen die nach 30 Jahren einen Oldtimer-Preis haben. Das geht natürlich nicht. Das Haus ist inzwischen verfallen.“ Das ist Jammerschade. Aber kein Einzelfall.

 


9. März

Moderner als Beton

 

Lehm. Wir bauen mit Lehm – wie schon unsere Großeltern und deren Eltern. 40 Prozent der Weltbevölkerung lebt in Lehmhäusern. Wir restaurieren ein altes Fachwerkhaus, verwenden althergebrachte Techniken und lernen das Material zu schätzen. Auch manche Architekten sehen im Lehm einen Baustoff der Zukunft. Immerhin wird rund 40 Prozent des Kohlendioxid-Ausstoßes durch die Bauindustrie verursacht. Lehm könne die ökologische Bilanz wesentlich verbessern, erklärt die belgisch-malische Architektin Odile Vandermeeren in der Süddeutschen Zeitung. „Das Material wird lokal gewonnen und zerfällt wieder. Außerdem erspart es oft eine Klimaanlage.“ Darauf setzen auch wir. Im Sommer sollen die Lehmwände die Räume kühl halten, im Winter hilft das Material, die Wärme zu halten.

Vandermeeren hofft auf eine Renaissance des Baustoffs und hat ein Netzwerk von im Sahel arbeitenden Lehm-Architekt*innen, Baumeister*innen und Künstler*innen gegründet. Der kollektive Elan sei beeindruckend, sagt sie. Die Herausforderungen allerdings auch: „Der Lehmbau hat sich seit Jahrtausenden kaum weiterentwickelt. Jetzt experimentieren wir mit neuen Materialien. Etwa der Beimengung von Pflanzenfasern. Oder gebrannten Erdkacheln auf dem Putz, die den Lehm gegen die Erosion der Regenzeit schützen.“

 


24. Februar

Plakat vom Schulstreik in Hebenshausen

 

„Wir können die Welt nicht retten, indem wir uns an die Spielregeln halten. Die Regeln müssen sich ändern, alles muss sich ändern, und zwar heute.“

Greta Thunberg

 


22. Januar

Fragen der Nachhaltigkeit

Sibirische Lärche liegt im Trend. Ihr Holz wird derzeit häufiger als das der Europäischen Lärche im Handel angeboten. Dabei ist ihre Herkunft fragwürdig, denn es sind oft unberührte Wälder, in denen sie geschlagen wird. Zudem ist der Transport über rund 7000 Kilometer nach Deutschland aufwändig. Dennoch ist der Preis für das russische Holz in der Regel niedriger als der für das europäische Pendant. Für unsere Fenster im Wohnhaus lag der Einkaufspreis für Europäische Lärche rund 15 Prozent über dem der Sibirischen. Rational ist das nicht zu erklären.

Denn die Hölzer sind sich ähnlich: Die Sibirische Lärche (Larix sibirica) wächst durch das Klima bedingt recht langsam und zeichnet sich durch enge Jahresringe aus. Ihr Holz schimmert gelblich. Die Europäische Lärche (Larix decidua) dagegen hat ein rötliches Kernholz und je nach Herkunft dichtere oder breitere Jahresringe. Wächst sie im Gebirge, etwa in den Alpen, dann ist sie ähnlich witterungsbeständig wie die Sibirische Lärche. Aufgrund der unterschiedlichen Qualität bevorzugen viele Schreiner*innen aber die Exporthölzer. Dabei weisen Umweltschützer*innen regelmäßig darauf hin, dass viele Bäume in Sibirien illegal geschlagen werden. Der WWF geht davon aus, dass nahezu jeder zweite Baum in Russland aus dem Raubbau kommt und dadurch oft naturbelassene Wälder zerstört werden.

Für uns stand daher außer Frage: Wir setzen auf heimische Hölzer und nehmen eventuelle kleinere Qualitätseinbußen beim Holz in kauf – sowohl bei den Fenstern, als auch der Fassadenverschalung. Der Aspekt der Nachhaltigkeit ist uns wichtig, obwohl wir die Mehrkosten dafür Wohl oder Übel anderswo einsparen müssen.

 


14. Januar

Fundstück aus Großalmerode

 

Als wir die alten Ziegel von dem Mansarddach abgedeckt haben, sahen wir, dass keiner wie der andere war. Alle Dachpfannen sehen ein wenig unterschiedlich aus. Sie schimmern seidenmatt, sind teils umbrafarben, teils gehen sie ins Rotbräunliche oder Gräuliche über. Auf einem dieser in Großalmerode gefertigten Ziegel entdeckten wir eine Jahreszahl – 1839. Von Hand in den Ton geschrieben.

Witzenhausen gehörte zu der Zeit noch zum Kurfürstentum Hessen. Aus Großalmerode wurden die Ziegel zumeist mit dem Pferdewagen ausgeliefert. Viele Häuser in der Gegend sind mit diesen Ziegeln gedeckt. Erst mit dem Bahnanschluss im Jahre 1884 wurde eine Verladung mit der Bahn möglich. Witzenhausen war ab 1915 über die Gelstertalbahn nach Großalmerode angeschlossen. Die Lieferungen erfolgten dann auch überregional. Doch längst ist die Bahnstrecke stillgelegt worden. 2002 fuhr der letzte Zug von Eichenberg kommend an Unterrieden vorbei über die Werrabrücke nach Witzenhausen-Süd.

Unsere Ziegel haben wir vorerst im Stall eingelagert. Als Ersatz für das Scheunendach. Dort muss immer mal wieder etwas ausgebessert werden. Gerade in stürmischen Zeiten, in denen wir bekanntlich leben.

 


21. Dezember

Ausgepackt

 

 

Sechs Monate war das Wohnhaus hinter den grün schimmernden Netzen des Gerüstes verdeckt. Wir hatten uns schon daran gewöhnt, wie an den langen Sommer und wie jetzt an die dunkle Jahreszeit. Containerweise Schutt trugen wir aus dem Haus, wir mauerten, sägten und schraubten. Unsere Bau-AG plante, die Fachleute schritten voran, andere halfen nach Kräften. Immer wieder kamen Freund*innen vorbei und packten mit an. Ohne sie wären wir noch längst nicht soweit, wie wir jetzt sind. Vielen Dank dafür!

Vor vier Tagen war es dann soweit, das Gerüst kam weg. Wir standen da und staunten, wie sehr sich das alte Haus verwandelt hat. Nichts erinnert mehr an die Teerpappe, die das Gebäude jahrzehntelang verkleidete. Es dominieren nunmehr andere Materialien, Holz, Lehm, Stroh, Sand, Papier und Hanf. Pünktlich zur Wintersonnenwende können wir zum nächsten Bauabschnitt übergehen und kümmern uns nun um den Innenausbau. Wir brauchen Strom und Wasser, bekommen neue Fenster, verputzen die Wände und erneuern die Dielen. Die Tage werden wieder länger, wir sind optimistisch, dass wir auch das schaffen.

PS: Die „Contraste“ – Zeitung für Selbstorganisation – hat uns in der Januar-Ausgabe ermöglicht, über unser Projekt zu schreiben. Den Beitrag findet ihr hier.

 


9. Dezember

Rote Linie auf dem Acker

 

 

Das Signal war deutlich. Mehr als 900 Menschen standen am Samstag bei strömendem Regen auf dem Acker in Hebenshausen und zogen eine rote Linie. Auch einige von uns waren dabei – um zu zeigen, dass niemand solche Monsterhallen in der nordhessischen Landschaft braucht. Niemand benötigt die Billigjobs in der Logistikbranche, die Befürworter*innen versprechen. Niemand braucht den Schwerlastverkehr, mit all dem Krach und Dreck. Das Logistikgebiet ist eine Idee von vorgestern – für die Zukunft mit dem bevorstehenden Klimawandel taugt es nicht. Das erkennen immer mehr Menschen. Der Protest wird größer und intensiver. Viel mehr Leute stellten sich am Samstag in den Regen, als bei der Landtagswahl in der Gemeinde CDU oder SPD wählten. Ignoriert werden kann die Bewegung nun an nicht mehr!

 


28. November

Beitritt zum Mietshäuser Syndikat wird konkret

Wir haben uns vergangenen Samstag auf der Mitgliederversammlung des Mietshäuser  Syndikats in Hannover vorgestellt. Das ist ein wichtiger Schritt, um dem Syndikat beizutreten. Mehr als hundert Häuser umfasst das Netzwerk mittlerweile. Wir hoffen, dass es uns den Rücken stärkt, damit wir unser Projekt stemmen können. Zugleich haben wir uns damit festgelegt: Einer unserer politischen Schwerpunkte in den kommenden Jahren wird die Wohnungsmisere sein. Mit dem Syndikat werden wir aktiv den Ansatz unterstützen, vier, fünf, sechs – viele Häuser dem Immobilienmarkt zu entziehen.